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7月16日 Der Kampf des SchreibersDer Stuhl steht am Schreibtisch jederzeit bereit besetzt zu werden. Das Zimmer ist alles Andere als vollkommen. Nichts ist innerhalb dieser vier Wände vollkommen. An dem Schreibtisch fehlen die Schubladen, an der blass leuchtenden Tischlampe mehr Helligkeit und selbst der Kugelschreiber ist nur halb gefüllt mit blauer Tinte, die bald anfängt zu kochen, wenn es nicht benutzt wird. Und doch scheint das Zimmer, dank dem Schreibtisch an der Wand und dem Stuhl der davor steht, vollkommen zu sein. Vollkommen für den, der nichts Anderes braucht als einen Stuhl einen Schreibtisch und ein leeres Blatt Papier, das begierig darauf wartet beschrieben zu werden. Es zittert voller Ungeduld unter dem schwachen Licht der Lampe, die das Blatt in der unendlichen Stille des Raumes erwärmt. Umgeben ist der Schreibtisch von Büchern mit trockenen Seiten, manche von den schon zigmal vom Selben Leser gelesen wurden. Staub hat sich über denen hernieder gelegt und beim zuschlagen eines Buches entsteht die einzige Bewegung im bewegungslosen Raum, wenn sich der unsichtbare Staub verteilt. Ich habe keine Lust mehr zu lesen und stehe mit schiefem Rücken mitten im Dunkeln des Zimmers und schaue in den leuchtenden Kreis auf dem leeren Blatt. In mir nagt ein Unbehagen und die Sehnsucht nach dem Schreiber steigt von Sekunde zu Sekunde. Ich frage mich ob ich wirklich bereit bin mich auf dem Stuhl zu setzen und den Schreiber in die Hand zu nehmen, es über das Papier zu streicheln, die Härte des Stiftes zu fühlen, es fest anzupacken und damit in den Kampf zu gehen. Ich denke zu wissen was dies bedeutet. Einen Kampf anzufangen. Einen Kampf der im Grunde nie endet. Es muss getan werden denn meine Seele schreit nur danach. Wie ein Stempel, dränge ich danach meine Seele auf das unbeschriebene Papier zu Stempeln. Das Hinsetzen wird von einem Angstgefühl begleitet. Ich greife herzrasend nach dem Stift, nach dem Schwert, nach dem Gewehr. Es gibt kein Zurück mehr. Ich habe meine Entscheidung getroffen, mich zu erheben, zu kämpfen. Es beginnt ein Ringen um das erste Wort, um die erste Zeile, unendlich viele Gedanken schwirren wie in meinem Kopf, tauchen in Einzelbildern auf, an jedem einzelnen ein Wort hängt, wovon ich nicht weiß ob sie die richtige Wörter tragen oder ob ich diese erst einsortieren muss bevor ich sie aufschreibe. Der Abend zieht sich dahin, doch was macht das für einen Unterschied. Hier steht die Zeit still, doch ein einsamer Kampf gegen die Einsamkeit wird geführt. Man ist eingeschlossen zwischen vier Wänden. Man darf nicht feige, dem um Hilfe rufenden Blatt den Rücken kehren auf den man auch selbst angewiesen ist, und aus dem Zimmer laufen. Nach draußen wo man sowieso nichts zu suchen hat. Es könnte mein Untergang bedeuten sich so davon zu machen, mit einem unruhigen Gefühl, einem geschwollenen Herzen sich in die Hände der Götzendiener zu begeben. Sie könnten mich auslachen, ausbeuten, mein Schweres Herz an ihre Hunde verfüttern um hinterher zu meinen sie hätten den Göttern ein Opfer gebracht. Nein ich lebe wohl, mit meinem Stift in der Hand. In solchen Momenten fließen die Wörter wie in einem Strom und das Rauschen des Stiftes auf dem Papier, wird zur Musik zu der sich ein Tangotänzer -Paar bewegt. Der Schatten der summenden Fliege, die die Glühbirne umkreist, markiert einen Kreis auf dem Papier, den man voller Rausch gar nicht wahrnimmt. Das Summen der Fliege stirbt, das Rauschen des Schreibens hat aufgehört. Es herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Duell zweier bewaffneter Männer die sich gegenüberstehen um als erster abzudrücken. Eine volle Seite ist fast beschrieben, ein Wort wurde nur mit X angefangen und nicht weitergeschrieben. Was weiter geschrieben werden sollte wurde schnell vergessen, es beginnt wieder ein Ringen, ein betäubender Kampf der Gedanken, eine Schlacht, von der niemand auf Welt Wind bekommt. Der Stift in der rechten Hand zittert, die Fliege summt im Stehen und Angstschweiß macht sich auf der Stirn und der Nasenspitze bemerkbar. Angst davor nichtmehr weiter zu kommen, zu Stocken, keinen Weg mehr zu finden, keine Wörter mehr zu finden, den falschen Weg zu gehen, das falsche Wort zu schreiben. Nein so leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Ich nehme die Liebe meiner Mutter und die Stärke meines Vaters zur Kraft und kämpfe weiter, schreibe weiter, ringe um jedes Wort und schreibe es bei einem Sieg nieder. Die Fliege summt im Kreis, das Rauschen auf dem Papier beginnt wieder, diesmal dynamischer, melancholischer, wie das Rauschen des Meeres. Die beschriebene Seiten zittern unter dem erdrückendem Stift und befriedigt lassen sie sich vollschreiben von ihrem einsamen, in den Wahn getriebenen Helden der Nacht, für den die Tischlampe wie die Sonne und die Fliege wie ein Adler ist. Ich schreibe nieder, was mich bedrückt, was mich entkräftet was mich scheidet von allem was außerhalb meiner vier Wände ist und geschieht. Ich schreibe nieder was ich liebe, doch immer vermisse, was ich vermisse, doch nie bekomme, was ich bekomme, doch niemals zu lieben lerne. Es klopft oft an der Tür, doch ich würde niemals auf den Gedanken kommen, es könnte jemand sein, der mich daran hindert einsam zu sein. Man lacht mich höchstens aus, wenn sie merken, dass ich Zeit damit verbracht habe zu Schreiben. Gute Freunde sind diejenigen, die heimlich Lachen, ehrliche Freunde Lachen offen. Würde ich mich hier nicht einsperren, hätte ich sonst keine Möglichkeit zu schreiben, meine Seele zu befreien, auf eine Suche zu gehen durch die Welt der Wörter, die wie ein eigenes Universum erscheint mit einer Unendlichkeit, die das Herz zu sich hineinzieht und niemals ein Ende findet, wie ein Vogel der ohne ein Ziel herumfliegt. Das Herz fliegt, die Träume lernen fliegen, die Fantasie stößt an Grenzen, die sie dann weiter ausbaut, die Hand ermüdet und lässt vom Stift ab, der Stift schreibt dennoch weiter, das Stück Papier schwebt dabei über dem Tisch, die Fliege legt sich auf dem Rücken, schläft und schnarcht, ich wache auf, mit dem schlafenden Stift in der Hand, durch die kleinen Löcher der geschlossenen Jalousien durchsiebt die Sonne ihre Strahlen hindurch, die wie viele leuchtende Punkte über den Raum verteilt aufschimmern. Die bis zum Rand beschriebenen Seiten liegen müde auf dem Schreibtisch herum und die Unbeschriebenen können es kaum erwarten so zu ergehen wie ihre Vorgänger. Obwohl die Lampe brennt, schlägt sich die Fliege immer wieder untreu ans Fenster, der Sonne entgegen. Doch ich kann sie nicht davon fliegen lassen, ich habe nicht die Kraft und den Mut dazu das Fenster aufzuklappen und die Jalousien hoch zu fahren, so leid es mir auch tut. Die Sonne scheint nun einmal nicht für uns. Ja, der Mensch ist egoistisch, das sollte sie schon längst wissen. Am Tage herrscht draußen Unruhe und Chaos. Es sind Stimmen zu hören, Fahrzeuggeräusche, Hupen, Lachen, Einkauf, Brüllen, Radfahren. Kein Gezwitscher der Vögel zu hören, kein Pfeifen des Windes. Es vergehen nur ein paar Minuten bis ich die Nacht wieder vermisse. Ihre vollkommene Stille, ihre schützende Dunkelheit. Ich schreibe dies nieder und beschreibe die hellen Punkte der Sonne im Zimmer, als möchte mich die Sonne damit herauslocken aus meinem Zimmer. Obwohl es Tag ist bin ich dennoch glücklich. Glücklich mit dem was ich grade tue. Sich mit meinem Schreibtisch vereinen. Hier habe ich meine wahre Freundschaft gefunden. Die verteilten Blätter auf dem Tisch, mein Stift, deren Tinte nun durch meine Adern fließt. Wie hart der Kampf um das Wort auch sein mag, dieser Stift und diese Blätter, sind diejenigen die mich am besten verstehen. Wie viel Anerkennung meine Familie meine Wörter auch schenkt, berührt mich das doch nicht, denn sie sind diejenigen die mich am wenigstens verstehen. Die sind diejenigen die so tun als zollen sie mir Respekt für das was ich tue, doch im Grunde fragen sie sich bevor sie nachts einschlafen, was in meiner Erziehung wohl falsch gelaufen ist. Sie verstehen nicht wieso ich mich einsperre mich isoliere und hart daran arbeite diese wundervollen weißen Blätter zu beschriften. Und bald haben sie einen Groll gegen mich, ich wäre zu abweisend, egoistisch und niemals für sie da. Ich wäre zu empfindlich für diese Welt. Ja da mögen sie Recht haben. Deshalb verstehen sie es nicht. Die Einsamkeit. Nein ich schreibe keine Klagelieder, ich schreibe um zu kämpfen. Ein Kampf jenseits von Gut und Böse, jenseits von Realität und Fantasie. Einmal ausstrecken genügt um wieder auf Trab zu kommen, denn die Tinte nagt in meinem Herzen wie ein Gift, der mich süchtig gemacht hat und ich kann mich von dem Blatt nicht abwenden. Ich bin noch im Halbschlaf und merke erst spät, dass meine Hand den Stift zum Schreiben bringt. Es fließen Wörter, Zeile um Zeile wird hernieder geschrieben, die Buchstaben klemmen sich an dem Papier fest und blicken verwundert um sich, während unter ihnen noch viele Andere folgen. Ich schreibe die Zeilen spitz wie ein Speer, der die Einsamkeit durchdringt, voller Tinte erscheinen die Blätter blau wie eine Quelle voll klarem Wasser und das erinnert mich daran wie trocken mein Hals schon ist und wie durstig ich bin. Der Durst packt mich am Hals und drückt es fest zusammen, dass ich kaum Luft holen kann, mein Atem findet keine Öffnung mehr. Wie gern ich doch in dieses Buchstabenmeer gesprungen wäre, in dem eiskalten Wasser, in den eiskalten Buchstaben, in den eiskalten Wörtern zwischen den ich aufpassen müsste nicht zu ertränken. Die hellen Punkte der Sonne sind verschwunden, es könnte Mittag geworden sein. Mein Schreibtisch findet keinen Flecken mehr Platz. Die vollbeschriebenen Blätter ruhen sich verteilt aus, die sich wie der Schnee auf einem Feld, bereit gemacht haben. Der Fuß der Lampe ist nichtmehr zu sehen. Sie schaut nur noch wie in den Blättern festgewachsen, mit gebeugtem Nacken herunter. Der Stift schreibt nichtmehr. Der Gedankenstrom ist unterbrochen. Ich lehne mich zurück, erinnere mich an meinen Durst, hebe die gefallene Flasche vom Boden und trinke daraus zwei Schlucke veraltete Orangensaft. Dann suche ich einen Anderen Stift, finde einen, halte es auf einen Punkt auf dem Blatt um zu schreiben, doch der Stift bewegt sich nicht. Die Müdigkeit überfällt mich. Mein Magen knurrt. So laut, dass ich vom einnicken wieder aufwache. Ich hab großen Hunger, merke ich. Die Augenlieder fallen willkürlich herab. Der Stift hat sich vom Punkt aus nicht bewegt. Ich schlafe ein und träume. Die Buchstaben lösen sich von den Blättern. Von allen Blättern. Sie erheben sich zu Hunderten, zu Tausenden, gar zu Millionen. Sie schieben die nun leeren Blätter vom Schreibtisch und versammeln sich allesamt auf dem Tisch wie die Eine- Million- Armee der Perser. Wie viele kleine, blaue Ameisen kribbeln sie meine Ärmel entlang und kriechen durch alle Öffnungen meines Körpers in mich hinein als wollen sie wieder zurück in meine Seele und umhüllen mich dabei, dass man keinen einzigen Fleck meiner Haut mehr sieht. Kurz vorm ersticken wache ich plötzlich auf und bilde mir ein, die Buchstaben wären auf meiner Haut, an meinem ganzen Körper eintätowiert. Im Zimmer ist es Stockfinster und für einen Moment weiß ich nicht wo ich mich befinde, durch die kühle Luft und dem Geruch wie in einem Keller eines Altbaus komme ich wieder zu mir. Die Birne scheint abgebrannt zu sein und ich betaste die Lampe, drehe ein wenig an der Birne und sie leuchtet wieder. Die beschriebenen Seiten liegen immer noch rum als würden sie nun schlafen. Es könnte Spätabend geworden sein. Ich nehme den Stift in die Hand und mache mich wieder auf ein leeres Blatt, doch so kraftlos ich bin, glaube ich keine Zeile mehr zu schaffen. Mein Kopf hat sich nach vorne gebeugt, mein Rücken hat sich leicht gekrümmt und ich hänge schlaff über dem Schreibtisch, wie wenn meine Klamotten keinen Inhalt tragen. Ich zwinge mich dazu. Ich strenge mich an, so sehr, dass mein Kopf schmerzt. Der Stift bewegt sich über das Papier und hinterlässt darauf kleine Kritzel, die wie Buchstaben aussehen, die wie erschöpfte Soldaten nach einer verlorenen Schlacht kraftlos weiterkämpfen wollen. Mein Gehirn ist kurz davor sich abzuschalten. Das einzige was mir bleibt sind die Gefühle und die mühsamen Bewegungen meiner Hand. Ich weiß nicht was meine Hand treibt, was sie schreibt. Die letzten Tropfen Blut in meinem Körper wird in meine Hand gepumpt die kämpft und kämpft, bis zum letzten Sinn, bis zum letzten Gedanken, bis zum letzten Gefühl. Ich möchte nicht bereuen, was ich angefangen habe. Ich habe einen Kampf gegen die Einsamkeit angefangen, und ich habe den Kampf verloren, ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt und nun bin ich einsamer denn je. Die Fliege ist verschwunden. Wie gern ich sie doch nur bei mir hätte. Nein, ihr Menschen. Dies ist kein Klagelied. Ihr werdet nicht verstehen, wieso meine Hand, der an meinen toten Körper hängt, diese Zeilen schreibt. Ihr werdet nicht verstehen, wieso sie bis zum letzten Tropfen Blut der durch die Schlagadern fließt, schreibt. Dies sind die letzten Zeilen. Die letzten Gefühle, der letzte Hauch von Leben in mir. Die Hand kippt um und stirbt. Der Stift schreibt die letzte Zeile zu Ende. Wenn ihr die Zeilen jemals verstehen solltet, werdet ihr Gott anflehen dieses Wissen wieder von euch zu nehmen, so verbrennt sie, all die Seiten.
Sezgino 16.07.09 引用通告此日志的引用通告 URL 是: http://sezgino.spaces.live.com/blog/cns!56D400D175AEB74B!1671.trak 引用此项的网络日志
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